Vor mehr als drei Jahren wurde die Canon EOS 5D Mk II vorgestellt und setzte in Sachen Bildqualität einen neuen Standard, der bis heute noch nicht getoppt werden konnte. Wie sich der Nachfolger geschlagen hat in einem kurzen Erfahrungsbericht vom «fine art printer» Autor Robero Casavecchia.
Konservative Auflösungssteigerung
Bei der Ankündigung der neuen EOS 5D Mk III wurden die 22.3 Megapixel, mit «nur» 1.2 Megapixel mehr als die «alte» 5D MkII, als kleine Enttäuschung beurteilt. Im Vergleich zur Nikon D800, die mit 36 Megapixel in ganz andere Sphären gelangen will. Die konservative Zunahme von 21.1 auf 22.3 Megapixel ist aber, meiner Meinung nach, das Resultat von einer sehr weisen und vor allem objektiven Analyse der Faktoren Sensorgrösse, Optik und maximalen Bildqualität.
Die wenigen Minuspunkte verbessern
Eines der wenigen Minuspunkte der Vorgängerin war der unzureichende Autofokus bei schwierigen Lichtverhältnissen. Gerade mit lichtschwächeren Optiken bekundete das System oft Mühe einen gewünschten Punkt zuverlässig und schnell scharf einzustellen. Die neue 5D Mk III kann hier voll punkten: selbst bei Dunkelheit und kontrastarmen Strukturen stellt die Kamera zuverlässig und extrem schnell scharf. Wer mit einer Lichtstärke von f2.8 oder höher arbeitet, kommt in den Genuss eines wirklich neuen Gefühls von schneller Scharfstellung.
Robuste Ausführung und Feinschliff bei Details
Im Vergleich zur Vorgängerin wirkt die neue 5D Mk III feiner und gleichzeitig robuster verarbeitet. Man hat wirklich das Gefühl mit einer richtigen Profi-Kamera zu arbeiten. Dazu tragen nicht nur die 140 Gramm Mehrgewicht bei (jetzt 950 Gramm ohne Objektiv und Zubehör), man merkt auch mehr Feinschliff bei Detailverbesserungen, wie eta das verriegelbare Programmwählrad um unabsichtige Verstellungen zu verhindern. Die Abblendtaste ist deutlich grösser geworden und kann auch bei Verwendung von voluminösen Optiken gut erreicht werden. Wesentlich besser als bei der Vorgängerin ist die gesamte Menüstruktur und Navigation ausgerichtet. Hier muss das Handbuch kaum konsultiert werden, alles ist praktisch selbsterklärend und auf einer Ebene angeordnet. Wir haben uns bewusst auf die fotografischen Qualitäten der neuen 5D Mk III beschränkt, obwohl auch für Video-Filmer einiges an Neuigkeiten und Verbesserungen vorgenommen worden sind, wie etwa eine umfassende manuelle Steurung bei Full-HDVideos, zusätzliche Kontrolle, Verbesserungen und neue Möglichkeiten bei der Tonaufzeichnung, etc.
Die Bildqualität der neuen EOS 5D Mark III
Wir haben die 5D Mk III mit der bestens bewährten 5D Mk II verglichen. Besonders gespannt waren wir auf die Testergebnisse in den höheren ISO Bereichen. Wir haben beide Kameras im Bereich ISO 200 bis 3200 verglichen. Die Testaufnahmen wurden mit dem Canon EF Makro 50 mm f2.5 mit manueller Scharfeinstellung bei Blende f8 über Live View und einer zusätzlichen Hoodman Lupe erstellt. Die RAWBilder wurden anschliessend mit Adobe Camera Raw (unser Referenz RAW-Konverter Capture One 6 Pro unterstützte zum Zeitpunkt des Tests die neue 5D Mk III noch nicht) und identischen Einstellungen in 16-bit TIFF-Bilder konvertiert.
Testergebnis und Fazit
Die «alte» 5D Mk II ist der erwartet harte Brocken und bis ISO 1600 sind keine Unterschiede festzustellen. Bei ISO 200 würde ich sogar der 5D Mk II ein klitzekleines Schärfeplus attestieren. Bei ISO 1600 ist der Luminanzkanal der neuen 5D Mk III etwas weniger körnig und bei ISO 3200 hat die 5D Mk III etwa 2/3 Blenden weniger Luminanzrauschen. Bei ISO 6400 sind die Unterschiede wirklich augenfällig und die 5D Mk II muss die Waffen strecken. ISO 12800 ist bei der neuen 5D Mk III wirklich hervorragend. Die neue Canon EOS 5D Mk III setzt einen neuen Benchmark bei DSLR-Kameras. Wer noch keine der beiden Kameras hat, dem kann ich die neue EOS 5D Mk III nur wärmstens empfehlen. Für etwas limitiertere Budgets ist die «alte» 5D Mk II immer noch im Angebot – wie lange weiss man nicht...
Beispielbild:
ISO 12.800, Bende f 5, 1/60 Sek.
Low Light Fotografie vom Feinsten und aus freier Hand ermöglicht die neue EOS 5D Mark III. Die Bilder weisen viel Detailzeichnung, eine natürliche Farbsättigung und wenig Bildauschen auf.